Dupuytren`sche Kontraktur

Krankheitsbild

Die Dupuytren`sche Kontraktur ist eine gutartige Neubildung im Bereich der Handinnenfläche und der Finger, gekennzeichnet durch harte Knoten und Stränge. Namensgeber ist Guillaume Dupuytren, ein französischer Chirurg des 19. Jahrhunderts. Am häufigsten betroffen sind der Ring- und der Kleinfinger. Der Dupuytren`sche Strang führt zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Unfähigkeit, den betroffenen Finger zu strecken. Der Einsatz der Hand im Alltag kann dadurch massiv beeinträchtigt werden. Männer leiden erheblich öfter an der Erkrankung. In der Regel sind die ersten Symptome um das 50. Lebensjahr erkennbar.

Die Ursache der Dupuytren`schen Kontraktur ist bis heute nicht völlig geklärt. Unbestritten ist eine erblich bedingte Veranlagung, allerdings ist eine direkte Vererbung von den Eltern auf die Kinder nicht zwangsläufig. Viele zusätzliche Auslöser wurden diskutiert, die meisten stellten sich jedoch nicht als haltbar heraus (vermehrter Alkoholkonsum, Nikotin, Diabetes mellitus). Verletzungen der Hand scheinen die Ausprägung des M. Dupuytren zu fördern.

Die Dupuytren`sche Kontraktur wird nicht durch eine Sehnenverkürzung hervorgerufen. Betroffen ist das Bindegewebe zwischen Haut und Sehnen, das sich verhärtet.

Charakteristisch für das frühe Stadium ist ein tastbarer Knoten in der Handinnenfläche, der selten schmerzhaft ist. In fortgeschrittenen Stadien zeigen sich harte Stränge, die Richtung Finger ziehen und die Streckfähigkeit erheblich limitieren. Die Einsatzfähigkeit der ganzen Hand kann massiv beeinträchtigt werden. Das Öffnen eines fest verschlossenen Glases, das Tragen von Handschuhen oder gar das Spielen eines Musikinstruments sind dann nicht mehr möglich. 

Daumen und Zeigefinger sind sehr selten betroffen; das Auftreten der Erkrankung an beiden Händen ist allerdings häufig. 

Diagnose

Der M. Dupuytren ist einfach zu erkennen. Die handchirurgische Untersuchung umfasst Größe und Lage der Knoten und Stränge, Ausmaß der fehlenden Streckfähigkeit an den einzelnen Gelenken und Verschieblichkeit der Haut über dem Strang.

Als wichtiger Test hat sich der „table top test“ etabliert: Können alle Finger der betroffenen Hand flach auf den Tisch gelegt werden, ist der Test negativ. In diesem Fall ist keine Therapie erforderlich. Bei positivem Test – einer oder mehrere Finger heben sich vom Tisch ab – werden die Therapieoptionen besprochen.

Eine weiterführende Diagnostik ist in der Regel nicht erforderlich. Röntgen und Kernspintomographie sind überflüssig. Nur im Falle einer zusätzlichen Sensibilitätsstörung ist eine neurologische Untersuchung sinnvoll.

Behandlung

Behandlungsbedürftig sind generell nur jene Patienten, die eine fehlende Streckfähigkeit des Fingers aufweisen. Können alle Finger plan auf eine Tischplatte gelegt werden (negativer table top test), kann abgewartet werden.

Partielle Aponeurektomie

Die häufigste Therapieform in der Behandlung des M. Dupuytren ist die partielle Aponeurektomie. Mikrochirurgisch wird das veränderte Dupuytren`sche Gewebe radikal entfernt. Dabei ist auf die empfindlichen Gefäße und Nerven zu achten. Generell ist der Eingriff anspruchsvoll und erfordert viel Erfahrung.

Vorteile:

  • Langjährige Erfahrung
  • Geringe Rezidivrate (Wiederauftreten der Erkrankung)
  • Sekundär betroffene Gelenke können mobilisiert werden
  • Bei jeder Form der Erkrankung möglich


Nachteile:

  • Technisch anspruchsvoll
  • Manchmal stationär
  • In der Regel lange Nachbehandlung (Physiotherapie, Schienenbehandlung)
  • u. U. lange Rehabilitationszeit
  • u. U. lange Arbeitsunfähigkeit

Nadelfasziotomie

Im Operationssaal wird der Dupuytren`schen Strang solange mit einer scharfen Nadel durchbohrt, bis das Dupuytren`sche Gewebe unter forcierter Streckung aufbricht.

Vorteile:

  • Technisch einfach
  • Keine eigentliche Operation erforderlich
  • Sehr geringe Verletzungsgefahr von Gefäßen und Nerven
  • Auch bei älteren Patienten mit eingeschränkter OP-Fähigkeit möglich (Lokalanästhesie!)


Nachteile:

  • Keine radikale Entfernung des Dupuytren`schen Gewebes
  • Hohes Rezidivriskio
  • Nur bei lokalisierten Dupuytren`schen Kontrakturen in Höhe des Grundgelenks sinnvoll