Vordere Kreuzbandverletzung (VKB Verletzung)

Krankheitsbild

Risikosportarten wie Fußball, Basketball, Eishockey, Handball und Skifahren haben eine häufige Verletzung des vorderen Kreuzbandes während eines Bewegungsablaufs zur Folge. Das hintere Kreuzband ist seltener betroffen, hier spielt ein mechanischer Kontakt mit direktem Anprall des Schienbeins mit Schub nach hinten eine Rolle. Das intakte VKB verhindert das Ausweichen des Unterschenkels nach vorne, das intakte hintere Kreuzband (HKB) das Ausweichen nach hinten.

Symptome

Das Landen nach Sprüngen oder das Hängenbleiben mit den Skispitzen im Schnee oder den Stollen im Rasen sind klassische Ursachen für vordere Kreuzbandrisse. Diese geschehen vorwiegend mit Rotationen des Oberschenkels nach innen, des Unterschenkels nach außen in vermehrter X-Beinstellung unter verschiedenen Beugegraden des Kniegelenks. Etwa drei Viertel der VKBs haben Begleitverletzungen an Knorpel und Menisken, Innen- oder Außenbändern. Die Patienten verspüren ein Schnappen im Kniegelenk, verbunden mit einem Wärmegefühl und einer mehr oder weniger starken Schwellung. Instabilität ist in der Regel das Hauptsymptom. Die Betroffenen berichten, dass ihrem „Knie schon bei Bagatellbewegungen nicht mehr vertrauen“. Schwellung, schmerzhafte Bewegungseinschränkung und Schmerzen sind Folge der Einblutung in das Gelenk.

Diagnose

"Ein vermehrter Weg des Unterschenkels nach vorne" relativ zum Oberschenkel im Seitenvergleich (Lachmanntest, vorderer Schubladentest) ist bei der klinischen Diagnose richtungsweisend. Röntgenbilder zeigen einen möglichen knöchernen Ausriss des VKB oder begleitende knöcherne Verletzungen. Unabdingbar ist die Magnetresonanzuntersuchung (MRT), die genauen Aufschluss über Risskonfiguration, aber auch Begleitverletzungen an Menisken und Knorpel gibt.

Therapie

Nicht jede VKB Verletzung muss operativ versorgt werden. Bei isolierten Rissen kann konservativ mit Stärkung der Kniebeuger und Schulung der Ansteuerung der Muskulatur (Co-Contraktion) vorgegangen werden. Etwa 10-20 Prozent der Patienten mit isolierten Rissen kommen damit zurecht. Darauf hinzuweisen ist jedoch, dass Meniskus- oder Knorpelschäden entstehen können. Im Umkehrschluss kann jedoch nicht garantiert werden, dass es mit einer Operation nicht auch zu Verletzungen dieser Strukturen kommen kann, in der Regel jedoch weniger häufig.

Patienten mit Instabilitätsgefühl („… vertraue meinem Knie nicht mehr“) oder Begleitverletzungen sollten je nach sportlichem Anspruch unabhängig vom Alter (<60 Jahre) operativ versorgt werden. Dabei wird mit körpereigenem Material (Sehne Kniebeuger Oberschenkelrückseite, Sehne Unterschenkelstrecker) das gerissene Band ersetzt. Die vom eigenen Körper entnommenen Sehnenanteile werden durch Bohrlöcher in Unterschenkel und Oberschenkel eingezogen und mit Schrauben und Plättchen fixiert. Innerhalb von 6-12 Wochen kommt es zur Integration des eingesetzten Sehnenanteils, hin zum „Umbau“ als VKB.

Auch ersetzte Kreuzbänder können wieder reißen. In diesem Fall müssen Patient und Arzt gemeinsam entscheiden, ob eine erneute Rekonstruktion notwendig und sinnvoll erscheint und welches körpereigene Sehnenmaterial verwendet wird. 

Rehabilitation

Die ersten sechs Wochen dienen zur Abschwellung, dem Wiedergewinn der Beweglichkeit und dem Erreichen der vollen Kniescheibenbeweglichkeit.
Passive Maßnahmen, wie Lymphdrainage, manuelle Therapie, Kühlen und Elektrostimulation, unterstützen diesen Prozess. In den Wochen 7-12 setzt die medizinische Trainingstherapie (MTT) oder Krankengymnastik am Gerät (KGG) ein. Hier muss eine kontrollierte Aktivierung erfolgen, da das „neue VKB Transplantat“ Gefäßeinsprossungen erfährt, die das Gesamtkonstrukt schwächen. Neuromuskuläre Bahnungen und Koordinationsübungen werden begonnen. Erst ab Woche 13 kann mit leichten Sprungübungen unter Vollbelastung begonnen werden, vorausgesetzt des Gelenk ist ohne Erguss und die Ansteuerung der kniegelenksumgreifenden Muskulatur gegeben. Ab Woche 16 ist leichtes Lauftraining möglich, ab Woche 18 -20 sportartspezifische Belastungen.

Die Trainingsphase wird am Ende des 5.-6. Monats mit Funktionstests abgerundet, die isolierte Defizite aufzeigen. Diese werden speziell trainiert und am Ende des neunten Monats durch einen erneuten Test überprüft. „Return to sport“ im Breitensport sollte frühestens nach neun Monaten erfolgen, im Spitzensport frühestens nach sechs Monaten.